Zu dick ist nicht süß
Vielleicht hast du es schon gehört: „Ach, der ist halt gut im Futter!“ oder „Sieht doch gemütlich aus.“
Doch Übergewicht beim Pferd ist kein harmloses „bisschen rundlich“ – es ist eine ernsthafte Gesundheitsgefahr. Ein zu dickes Pferd leidet still: im Stoffwechsel, im Bewegungsapparat, in der Lebensqualität.
👉 Aha-Moment: „Ein rundes Pferd“ ist nicht süß – es ist auf dem Weg in die Krankheit.
Was Übergewicht im Körper bewirkt
1. Stoffwechselerkrankungen
Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Übergewicht fördert Insulinresistenz → der Blutzucker kann nicht mehr reguliert werden → Risiko für Hufrehe steigt massiv.
Cushing (PPID): Fettgewebe wirkt hormonell aktiv und verstärkt Stoffwechselprobleme.
2. Hufrehe
Studien zeigen: Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren für Hufrehe. Schon kleine Überfütterungen bei gleichzeitigem Bewegungsmangel können das Entzündungsgeschehen in den Hufen auslösen.
3. Herz-Kreislauf-Belastung
Übergewicht belastet Herz und Lunge → das Pferd wirkt schneller „atemlos“, die Leistungsfähigkeit sinkt.
4. Biomechanische Überlastung
Jedes Kilo mehr bedeutet zusätzlichen Druck auf Gelenke, Sehnen, Bänder.
Arthrose, Fesselträgerprobleme und Rückenschmerzen entwickeln sich schneller.
Das Pferd bewegt sich weniger → Teufelskreis: weniger Bewegung = noch mehr Gewicht.
5. Immunsystem & Entzündung
Fettgewebe ist kein passiver Speicher, sondern produziert entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine).
Folge: Dauerentzündung, höheres Risiko für Infekte, schlechtere Heilung.
Woran erkennst du Übergewicht?
Body Condition Score (BCS): Ein wissenschaftliches Bewertungssystem von 1 (sehr mager) bis 9 (stark fettleibig). Optimal: 5–6.
Rippen-Check: Rippen sollten fühlbar, aber nicht sichtbar sein. Bei Übergewicht → nicht mehr tastbar.
Fettpolster: Typisch sind Fettdepots an Mähnenkamm, Schulter, Schweifansatz.
Kehle & Bauch: Doppelkinn-/Fettfalte, hängender Bauch, „Apfelpopo“.
Bewegungsunlust: „Faulheit“ ist oft nichts anderes als Überlastung durch Gewicht.
👉 Wow-Moment: Ein Pferd mit 50 kg Übergewicht trägt das Äquivalent von einem zusätzlichen Reiter mit sich herum – den ganzen Tag.
Warum wir es oft übersehen
Verzerrtes Bild: Viele Besitzer*innen empfinden übergewichtige Pferde als „normal“, weil Übergewicht weit verbreitet ist.
Emotionale Gründe: „Ich will meinem Pferd was Gutes tun“ → führt zu zu viel Futter, Leckerlis, ständigem Gras.
Verharmlosung: Übergewicht wird oft als „gemütlich“ oder „lieb“ interpretiert – dabei ist es für das Pferd stille Qual.
Praktische Schritte gegen Übergewicht
1. Futtermanagement
Raufutter bleibt die Basis – aber Menge kontrollieren (1,5–2 % des Soll-Körpergewichts/Tag).
Energiedichte senken (Heu statt Gras, ggf. Heunetze).
Kraftfutter nur, wenn medizinisch notwendig.
2. Bewegung
Tägliche Bewegung ist entscheidend – auch Schritt wirkt wie „Fettverbrennungstraining“.
Longieren, Bodenarbeit, Spaziergänge im Gelände – abwechslungsreich, aber ohne Überlastung.
Lange, gleichmäßige Bewegungseinheiten sind effektiver als kurze, hektische.
3. Kontinuierliche Kontrolle
Gewicht dokumentieren (Waage, Maßband, Fotos).
Body Condition Score regelmäßig prüfen.
Tierärztliche Begleitung bei starkem Übergewicht.
Mini-Übung – der Rippen-Check
Stell dich seitlich ans Pferd, leg deine flache Hand auf die Rippen:
Gesund: Rippen sind fühlbar, aber nicht sichtbar.
Zu dick: Rippen verschwinden unter Fettpolster.
Zu dünn: Rippen deutlich sichtbar.
👉 Mach diesen Test jede Woche – es dauert 10 Sekunden und zeigt dir frühzeitig Veränderungen.
Fazit
Übergewicht ist kein kosmetisches Problem – es ist eine ernste Krankheit mit Auswirkungen auf Stoffwechsel, Bewegungsapparat und Psyche. Wer die Verantwortung übernimmt, sein Pferd auf Normalgewicht zu bringen, schenkt ihm nicht nur Gesundheit, sondern Lebensqualität und Lebenszeit.
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