Geschlossen stehen lernen
Viele Pferde stellen sich von Natur aus nicht geschlossen hin: Ein Hinterbein wird ent- oder belastet, die Vorderbeine stehen versetzt. Oft ist das normal, manchmal aber auch ein Hinweis auf Schiefe, Schonhaltungen oder Dysbalancen im Körper.
Das geschlossene Stehen – Vorderbeine nebeneinander, Hinterbeine nebeneinander, Gewicht gleichmäßig verteilt – ist deshalb weit mehr als eine „schöne Haltung“. Es ist eine wertvolle Gesundheitsübung, die Balance, Körperbewusstsein und Konzentration fördert.
👉 Aha-Moment: Ein Pferd, das lernt, geschlossen zu stehen, entwickelt mehr Stabilität, Gleichgewicht und innere Ruhe.
Warum „geschlossen stehen“ so wichtig ist
Gleichmäßige Lastverteilung: Im Stand trägt das Pferd rund 60 % des Gewichts vorne, 40 % hinten. Nur wenn die Beine gleichmäßig sortiert sind, kann sich das Pferd wirklich ausbalancieren.
Bewusstsein und Balance: Die Übung schult die Körperwahrnehmung und hilft dem Pferd, kleine Dysbalancen auszugleichen.
Gesundheitscheck: Steht ein Pferd dauerhaft schief oder entlastet immer dasselbe Bein, kann das auf Verspannungen, Schmerzen oder Schonhaltungen hindeuten.
Gymnastischer Effekt: Geschlossen stehen wirkt wie eine kleine Trainingseinheit für den Rumpf, die Gelenke und das Gleichgewichtssystem.
So erarbeitest du das „geschlossene Stehen“ Schritt für Schritt
Zielbild: Vorderbeine parallel, Hinterbeine parallel, vier Hufe tragen gleichmäßig, Kopf-Hals neutral, kein angewinkeltes Bein.
1)Vorbereitung
Stelle dein Pferd auf ebenem, sicherem Boden auf.
Lass es ruhig ankommen, bevor du beginnst.
2) Vorderbeine sortieren
Stehe auf Schulterhöhe und bitte dein Pferd, ein Vorderbein minimal vor- oder zurückzusetzen, bis beide Vorderhufe nebeneinander stehen.
Arbeite mit feinen Signalen: so wenig wie möglich, so klar wie nötig.
3) Hinterbeine sortieren
Bitte ein Hinterbein minimal vor- oder zurückzutreten.
Achte darauf, dass die Hinterhand dabei gerade bleibt und nicht seitlich ausweicht.
Wichtig: Beide Hinterhufe tragen – kein angewinkeltes Bein.
4) Halten und Loben
Lass dein Pferd zunächst nur 3–5 Sekunden in der geschlossenen Position stehen, dann auflösen und loben.
Steigere schrittweise auf 10–20 Sekunden.
Häufige Fehler – und deine Korrektur
Pferd hängt auf der Vorhand: Mit kleinen Mikroschritten der Vorderbeine nachsortieren und die Hinterhand aktivieren.
Hinterhand weicht aus: Erst die Schulter gerade richten, dann Hinterbeine korrigieren.
Ein Bein angewinkelt: Pferd sanft neu sortieren, bis alle vier Beine tragen.
Unruhe: Lieber kurze, klare Haltephasen als zu langes Verharren.
Fortgeschritten: Ein bestimmtes Bein ansprechen
Wenn dein Pferd sicher geschlossen steht, kannst du gezielt ein einzelnes Bein ansprechen – zum Beispiel das linke Vorderbein. So lernt es, differenziert auf deine Signale zu reagieren, ohne die Gesamtbalance zu verlieren.
👉 Wow-Moment: Dein Pferd entwickelt nicht nur mehr Körperbewusstsein, sondern auch feine Kommunikation mit dir.
Mini-Übungsplan
- Pferd ruhig aufstellen, Atmung und Entspannung abwarten.
- Vorderbeine sortieren → loben.
- Hinterbeine sortieren → loben.
- 3–5 Sekunden halten → auflösen.
- Mehrfach wiederholen, maximal 3–4 Durchgänge.
Fazit
Das geschlossene Stehen wirkt simpel, ist aber eine wertvolle Übung für Balance, Koordination und Körperbewusstsein. Gleichzeitig gibt es dir einen ehrlichen Einblick in die aktuelle Verfassung deines Pferdes. Mit Geduld, feinen Hilfen und klaren Signalen wird aus einer scheinbar einfachen Position eine kraftvolle Gesundheitsübung – für Körper und Beziehung gleichermaßen.
Call-to-Action
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